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Kampf um das Fernsehen-2.0 spitzt sich zu — ein Kommentar

Ein Beitrag auf Hyperland, einem Blog des ZDF, beschreibt, wie neue digitale TV-Geräte und SetTopBoxen, wie z.B. GoogleTV, die TV-Landschaft durcheinander wirbeln. Insbesondere die ablehnende Haltung gegenüber neuen digitalen Angeboten wird beschrieben. Der Konsument taucht in dieser Betrachtung — wie üblich — nicht auf.

Ein Kommentar.

Geschichte wiederholt sich. Neu ist hier nur, dass die Abstände kürzer werden und die Beteiligten trotzdem nichts lernen.

Die Musikindustrie hat vorgemacht, wie es nicht funktioniert: Zunächst kein legales Angebot. Dann ein minimales legales Angebot, um rechtliche Handhabe gegen Piraterie zu bekommen (Wieso eigentlich?). Das Angebot dann aber so zugeschnürt, überteuert und konsumentenunfreundlich, dass es keiner nutzt, bzw. der legale Nutzer gegenüber dem Piraten benachteiligt ist. Letztendlich musste ein Hardwarehersteller (Apple) ran und endlich ein sinnvolles Angebot etablieren (iTunes). Nach langem Hin- und Her dann auch ohne sinnlosen Kopierschutz verfügbar. Glückwunsch! Funktioniert. Amazon folgte nach. Die Download-Portale der Majors funktionieren weiterhin nicht – wen wundert’s?

Die Filmindustrie macht es nach. Jahrelang keine legalen Download- oder Streamingangebote verfügbar. Physische Datenträger kopiergeschützt und mit Einschränkungen für den Konsumenten versehen (DVDs liefen bis zur Umgehung des Kopierschutzes nicht auf Linux; aktuelle DVDs versuchen sich mit neuen Methoden und laufen auf diversen Playern gar nicht mehr; Untertitel werden zwangseingeblendet; Trailer können nicht übersprungen werden; usw.). Am Ende wundert sich die Industrie, warum die Konsumenten lieber die Piratenversionen ihrer Werke nutzen. Als kleines Bonbon wird jedem Kinobesucher, der gerade für seine legal erworbene Karte bezahlt hat, mitgeteilt, dass Raubkopierer Verbrecher wären. Sehr nett. Da guckt man doch lieber die öffentlich im Netz verfügbare Version eines Films. Für die gibt es Untertitel und auch Tonspuren in beliebigen Sprachen und vorab laufen keine Trailer, die man nicht sehen mag. Alles ganz einfach. Auf die Wünsche des Konsumenten abgestimmt. Das können die Piraten offensichtlich besser, als die Industrie. Aber vielleicht lernen die auch nur schneller.

Nun sind auch die Verlage in der digitalen Endzeit angekommen. Bücher werden fleißig digitalisiert, kopiergeschützt und zum Kauf angeboten. Das iPad wird als Heilsbringer gefeiert. Nur der Konsument wird vergessen. Die schönen digitalen Versionen laufen dann nur auf einem Gerät und verleihen kann man sie in der Regel auch nicht mehr. Und falls doch, dann nur ein Mal für 14 Tage – bitte an Schnellleser.

Und nun steht Fernsehen 2.0 vor der Tür. Jetzt dürfen auch die Fernsehsender ran. ARD und ZDF hatten mit ihren Mediatheken schon sehr gut vorgelegt. Und auch die Privaten haben ansehnliche Online-Bibliotheken ihrer Werke geschaffen. Doch nun kommt schon wieder Google daher /polemik/ die ja auch schon für den Niedergang der Zeitungen verantwortlich sind /polemik/ und klauen den Content um ihr eigenes Produkt (Google TV) zu verkaufen. Sieht man sich das Produkt genauer an, so stellt man fest, dass (schon wieder) der Konsument im Mittelpunkt steht. Das Produkt ist auf seine Wünsche abgestimmt: Sendungen sehen, wann man will. Jederzeit anhalten und später fortsetzen. In einem großen Fundus stöbern und passende Inhalte finden. So nebenbei bringt das auch neue Kunden, /polemik/ aber das hat ja schon bei Google News nicht funktioniert /polemik/.

Insgesamt stellt sich die Frage, warum die klassischen Medien in der digitalen Welt grundsätzlich gegen den Konsumenten kämpfen, anstatt auf ihn zuzugehen. Ein Blick in Jeff Jarvis Buch “Was würde Google tun?” könnte helfen, neue Geschäftsmodelle zu finden, die auch in der digitalen Welt funktionieren – für den Konsumenten und letztendlich auch für die Anbieter.

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1 comment to “Kampf um das Fernsehen-2.0 spitzt sich zu — ein Kommentar”

  • Markus Hündgen, 15/11/2010 at 22:25

    Sie haben natürlich vollkommen Recht: Der Nutzer ist wieder mal der Leidtragende. Wie ich schon schrieb: Die Gefechte werden hinter den Kulissen ausgetragen. Was mich positiv stimmt: Den längeren Atem hat der Nutzer. Siehe Musikindustrie. Das bringt uns nichts heute und auch nicht morgen, aber fürs Übermorgen habe ich noch Hoffnung 🙂

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